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Erfahrungsbericht: Test Klepper Motor 3-HE mit Klepper Kajak, Aerius II 545

Bodensee 6.9. – 11.9.2012

 

Der folgende Bericht enthält meine persönlichen Erfahrungen mit dem o.g. Motor den ich nach dem Neukauf zum ersten mal als zusätzliches Gepäck mit den Kajak-Packsäcken samt Zubehör mit auf die Reise nahm.

 

1.       Aufbau Kajak mit Motor

Nachdem ich mich auf dem Campingplatz eingerichtet hatte, es war noch früh am Nachmittag, baute ich wie üblich mein Zweier-Kajak zusammen. Entgegen dem sonstigen Ablauf, den ersten Tag mit einer gemütlichen Paddeltour zu starten um die fremde Umgebung etwas kennenzulernen, war die Neugier auf den Motor groß, der samt Zubehör in einer gepolsterten Alukiste wartete, erstmalig in Betrieb genommen zu werden.

 

Mein Kajak habe ich auf den Bootswagen gesetzt, den ich aus Gewichtsgründen bewusst etwas weiter hinten positioniert hatte. Anhand der Beschreibung habe ich den Akku mit Motorsteuerung hinter dem hinteren Fahrersitz eingesetzt. Mein Zusatzwunsch war es, einen zweiten Akku wegen mehr Leistung und damit längerer Fahrtdauer zu haben, den ich vorne im Bug positioniert habe. Beide Akkus waren mit einem Verlängerungskabel miteinander verbunden.

In der Bedienungsanleitung sind alle Details zum Ersteinbau des 3-HE Motors mit Akku beschrieben, wie die Akkus befestigt werden, dass diese vorher aufzuladen sind und wie die Aufholleinen für das Ruder und den Motor anzubringen sind. Alle erforderlichen Teile wie Klettbänder, Umlenkkarabiner, Ladegeräte, Leinen usw. werden mitgeliefert.

Der Motor ist ein kompaktes Teil, d.h. da braucht nichts zusammen gebaut werden. Er wird einfach an der Rudervorrichtung eingehängt. Die Bedienung des Motors, wie Ein/Ausschalten, Fahrstufen 1 bis 5 sowie die Anzeige der aktuellen Leistungsdaten werden über eine Bedienereinheit mit Display geregelt. Ich hatte dieses Teil direkt vor mir auf dem Klepper-Travellerbrett befestigt; das Travellerbrett ist zusätzlich zu bestellen, wird insbesondere für die Segelausrüstung empfohlen).

 

Bild Klepper Aerius II 545 mit Segel und Motor


 

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2. Fertig machen für erste Probefahrt

Dann erfolgten die üblichen Vorbereitungen wie Paddel, Schwimmweste, Kleidung, Getränk usw. mitnehmen und los ging es Richtung Seeufer. Das zusätzliche Gewicht durch das Motorpaket merkte ich schon, besonders dann wenn es über Sand oder Kies ging. Gespannt war ich wie das Boot sich mit dem Hybridruder steuern lassen wird und ob der Propeller auch funktioniert wenn ich den Motor erstmalig einschalte. Die Bedienereinheit zeigte 100% verfügbare Leistung an.

Auf dem Weg zum Seeufer waren beide Aufholleinen für Motor und Ruder aufgeholt, damit auch beim Ruder keine Bodenberührung vorkommt.

 

 

3. Jetzt ging‘s los …

Ich zog das Boot ins Wasser, machte den Bootswagen los und verstaute ihn wie immer im vorderen Teil, wenn ich alleine im Zweier fahre. Dann ein paar Paddelschläge hinaus ins tiefe Wasser, dann senkte ich das Ruder an der Aufholleine ab, der Motor/Propeller blieb oben.

Ich wollte als erstes mit der üblichen Fußsteueranlage und Paddeln das neue Ruder testen. Nun, mein Eindruck war, dass das Bootsverhalten ziemlich identisch ist wie zum normalen Klepper-Ruder.

 

Natürlich hielt sich das Paddeln in Grenzen, nun kam ja die Hauptsache: Klepper-Kajak mit E-Motor. Also machte ich die Aufholleine für den Motor los und der Propeller rutschte an dem Schaft ins Wasser. Dann schaute ich auf das Bediengerät und dachte: Nun bin ich aber gespannt.

Ich drückte zwei Knöpfe und ein leises Geräusch, der Propeller lief und das Boot nahm Fahrt auf. Ohne Paddeln mit Fahrstufe 1, also so ca. 4km/h, das entspricht meinem normalen, entspannten Paddeln.

 

Es war ein tolles Gefühl, das Boot reagierte perfekt mit dem Ruder und der Propeller machte die Bewegung mit, weil er mit dem Ruder in einer Einheit integriert ist. Naja, dann stellte sich so langsam die echte Genussphase ein, ich machte es mir gemütlich, Trinken, Sonnencreme, See-Landschaft genießen und es geht immer vorwärts. Ich denke ich fuhr ca. 2 Stunden, schaltete auch mal die Fahrstufen 2,3,4, und fünf ein und merkte wie es immer schneller ging. Dabei beobachtete ich den Energieverbrauch der in % und etwas genauer in Volt angezeigt wird.

 

Andere Boots und Segelkapitäne registrierten erstaunt diese Neuerung, sitzt da einer im Kajak, fährt recht zügig und paddelt nicht, Ferngläser wurden rausgeholt. Jedoch, wenn ich in die Nähe von Paddelfreunden kam, fuhr ich nur mit Fahrstufe 1 oder 2, und gegrüßt wurde ja sowieso und fast immer kam es zum Gespräch, der Motor wurde gestoppt und manche Frage beantwortet.

 

Dann steuerte ich wieder meinen Heimathafen an, beobachtete noch genauer die Wassertiefe in Ufernähe, und aktivierte dann wieder die Aufholleinen, zuerst den Motor, dann das Ruder. Befestigte wieder meinen Bootswagen im hinteren Drittel und musste etwas mehr am Haltegriff ziehen, um das Boote aus dem weichen Uferbereich zu ziehen.

 

Mein Display zeigte 60% an, da könnte ich ja nochmal 2 Stunden fahren. Ich setzte mich auf die Uferbank und dachte nach, was da so alles ablief und bekam ein gutes, freudiges Gefühl. Es war einfach super, mein Ding.

 

Dabei war für die Überlegung und letztendlich die Anschaffung dieses Motor-Paketes ein ganz anderer Grund für mich ausschlaggebend: Es ging um das Kajak-Segeln. Genauer gesagt: Seit 5 Jahren segle ich mehrmals im Jahr auf den Gewässern wie Chiemsee, Attersee, Thunersee, usw. und natürlich Bodensee. Vergangenes Jahr segelte ich von Hagnau bis nach Bodman, einfach ca. 20Km. Mein Problem war, dass ich die gesamte Rückfahrt paddeln musste wegen totaler Flaute bei gut 30Grad, mit voller Segel-Ausrüstung einschl. Ausleger. Ich war ‚fix und foxi‘ als ich wieder in Hagnau war und begann über eine Motor-Lösung nachzudenken, ähnlich wie es größere Segelboote/Yachten ja auch haben.

 

Nun, ich saß immer noch auf der Bank und überlegte wie ich den nächsten Tag, natürlich mit voller Segelausrüstung, gestalten werde. Dabei dachte ich: Es darf wieder ein schöner, sonniger Tag sein und der Wind kann machen was er will, ich bin vorbereitet, für alle Fälle. Natürlich war ich gespannt auf das Ruder-Verhalten ohne Motor beim Segeln.

 

Jetzt ging’s erst mal wieder bergauf zum Wohnwagen, mit dem Boot im Schlepptau. Oben angekommen, habe ich beide Ladegeräte an die Akkus angeschlossen, bis nächsten Morgen sollten dann wieder 100% Leistung zur Verfügung stehen.

      

4.   Vom Kajak zum Motorsegler, einfach genial.

Nach dem Frühstück war ich sehr motiviert den Segelsack und die Ausleger aus dem Auto zu holen. Direkt am Wohnwagen habe ich die komplette Segelausrüstung aufgebaut. Das mit der Rollfock ist auch eine prima Sache.

Die Ausleger werden von mir beim Segeln immer mit benutzt, die geben enorme Sicherheit z.B. auch bei Windstärken 3 oder 4 noch draußen bleiben zu können. Bei mehr kann es bei dem Segelkajak sehr schnell risikoreicher werden, je nach Gewässer und Umgebung, muss nicht sein.

Ja, am Kajaksegeln habe ich seit Jahren viel Freude. Dieses mal stand natürlich der Motor im Vordergrund, insbesondere weil es wieder ein fast zu schöner Tag war, wenig Wind. Ich entschied mich vom Campingplatzufer Dinkelsdorf nach Konstanz Stadthafen zu fahren. Mit Motor kein Problem dachte ich und so war es auch.

Mit Fahrstufe 1 und gesetzten Segeln fuhr ich im Abstand von ca. 400m am Seeufer entlang Richtung Insel Mainau. Es gibt immer viel zu beobachten, ob Tiere, Fischer, Boote, Badende mit lustigen Schwimmhilfen und die wunderschöne Landschaft vom Wasser aus zu genießen. Nach ca. 1 Stunde näherte ich mich der Schiffahrtslinie Konstanz-Meersburg, die durch die Fähren stark befahren ist. Mit viel Abstand und Fahrstufe 3 überquerte ich zügig die Fährlinie. Dann frischte es etwas auf und ich probierte einige Wendemannöver, der Motor tuckerte leise und gleichmäßig mit Fahrstufe 1. Was sich daraus ergab, war eine neue Erkenntnis, dass mit langsamen Motor die Wende oder Halse beliebig und problemlos gefahren werden, kein Paddel mehr nötig um die Kurven zu kriegen, wenn der Wind etwas knapp ist.

Als ich mich dann der Konstanzer Bucht näherte, nahm der Boots- und Schiffahrtsverkehr zu. Wie üblich grüßen sich die ‚Kapitäne‘ der Segelboote und Yachten wenn man sich nah genug begegnet. Nun, auch ich gehöre mit dem Klepper Segelboot dazu, das ist schön, sage ich mal etwas verschmitzt. Weil ich etwas schneller vorankam als manch große Segelyacht wurde öfters das Fernglas benutzt oder die Besatzung zeigte zu meinem Heck weil die meisten einen kleinen Motor erkannten. Unmöglich, so ein kleines Segelboot kann doch nicht schneller als eine Segelyacht sein ….ich weiß, nicht ganz stilecht, Segel und Motor … aber das ist mein Ding, Motorsegler eben.

Fazit: Interessante, freundliche Begegnungen, der Motorsegler verführt manchen Beobachter zum respektvollen Lächeln, so kam es bei mir an. Doch schon am dritten Tag habe ich darauf kaum mehr geachtet.

In Konstanz gönnte ich mir ein tolles Mittagessen, die Rückfahrt verlief ähnlich interessant. Den Leistungsverbrauch habe ich öfters im Auge gehabt. Das Ergebnis ist: Ich konnte mit Motor bis zu meinem Startplatz wieder zurückfahren, das waren insgesamt 6,5 Stunden reine Motor-Fahrzeit, fast immer mit Fahrstufe 1, Gesamt-Distanz ca. 26Km. Es war eine Punktlandung, Null-Prozent als ich den Motor ausschaltete, an der genaueren Volt Anzeige konnte ich erkennen, dass ich noch ca. 20min hätte so weiterfahren können.

Mein Fazit: Die Leistung, der Aktionsradius stimmt, entspricht meinen Anforderungen, allerdings mit zwei BleiGel Akkus je 18Ah. Und ich wusste: Wenn erforderlich, mit dem Paddel komme ich immer ans Ziel, diese Flexibilität finde ich toll.

Hinweis: Mit dem Motor-Paket werden auch noch Solar-Generatoren angeboten, als weitere oder alternative Leistungsversorgung für den Motor, mehr Informationen unter www.klepper.de

 

5. Bodensee Boots-Registrierung erforderlich

Das mit der Registrierung musste ich auch erst mal lernen. Generell gilt, mit Motor sollte man sich vorher informieren welche Bestimmungen auf dem jeweiligen Gewässer gelten. Am Bodensee ist es so, dass das Kajak-Paddelboot nicht registrierungspflichtig ist, wird es mit Segel gefahren, ist es ein Segelboot und muss wie alle anderen auch (von der Jolle bis zur Yacht) beim Landratsamt/Schifffahrtsamt eine 3-er Boots-Nr. erhalten.

Kann das Segelboot mit Motor betrieben werden, ist zusätzlich eine Bootsabnahme (mit Zubehör-Prüfung) erforderlich, um dann eine 5-er Boots-Nr. zu erhalten. Also gilt es sich kundig zu machen bevor aufgerüstet wird und es ist aus meiner Sicht erforderlich, sich mit dem Schifffahrtsrecht zu beschäftigen.

 

6. Bodensee Schifferpatent/Führerschein ist nicht erforderlich, jedoch ….

Als Paddler denkt man gewöhnlich nicht an Führerschein, dennoch sollte man die wichtigsten Inhalte aus dem Schifffahrtrecht kennen, wie z.B. Vorfahrtsrecht, Seezeichen, Umweltschutz. Man sollte sich auskennen, zur eigenen Sicherheit und zur Sicherheit der anderen.

Dies gilt insbesondere für das Kajak mit Segel und Motor. Dennoch, wegen der relativ geringen Segelfläche von ca. 5qm ist kein Segelschein erforderlich. Auch kein Motorboot-Führerschein wegen der relativ geringen Motorleistung von ca. 170Watt. Wie gesagt, das sind die Bestimmungen für den Bodensee.

 

7. Klepper Kosten/Preise, Bootskonfigurationen, Zubehör

Die Aufrüstung vom Paddelboot zum Segelboot kostet ca. 1600.-€, einschl. Ausleger, Travellerbrett, Rollfock.

Das Motorpaket mit zwei 18Ah-Akkus und spezieller Alukiste ca. 2500.-€.

Aktuelle Details dazu unter www.klepper.de.

 

8. Zu meiner Person

Nach diesem Erfahrungsbericht sollte der Leser auch wissen welche Person dahinter steckt. Ich bin 63Jahre, seit Jahrzenten betreibe ich Kajak-Paddeln/Bootswandern, auch meine Frau und die Kinder waren oft dabei. Seit ca. 5 Jahren segle ich vorzugsweise und habe nun auch noch eine Motoroption. Darüber bin ich sehr froh, weil ich gerne Distanzen segle, das heißt je nach Windsituation und Vorhersage das entfernte Ziel bestimmen, morgens starten und am frühen Abend wieder zurück zu sein. Unterwegs mache ich gerne Mittagspause, Kaffeepause, meistens fahre ich Campingplätze oder Freibäder an. Dort lässt es sich gut anlanden und man findet schnell interessante Gesprächspartner.

Wie reise ich: Bei den 5 oder 6-tägigen Entdeckungstouren reise ich alleine, dabei fahre ich immer neue Plätze an. Beim gemeinsamen, längeren Camping/Boots/Rad-Urlaub wählen wir dann einen vorher erkundeten Platz aus.

Das Fahrrad ist immer dabei, als Ausgleich zum Kajak-sitzen und um die Landschaft kennenzulernen. Manchmal noch ein zusätzliches, festes Einer-Kajak das auf dem Dach transportiert wird, welches ich sehr gerne auch für Flussfahrten benutze. Der Klepper-Zweier, samt Segel, Motor und Zubehör passt alles in den Ford-Galaxy, der Wohnwagen, ein kleiner, kompakter Eriba hängt auch noch dran und ist dann unser zuhause.

 

9. Zusammenfassung

Die Touren gedanklich vorbereiten, die vielen Teile ins Auto laden, das Dach und den Heckträger bepacken, das Fahren mit Wohnwagen, der neue Campingplatz, die zu erkundende neue Umgebung, das Gewässer, dann der Aufbau des Klepper Aerius ….. usw. das mache ich 3-4 mal im Jahr. Man könnte sagen, viel Arbeit, ja, ich mache es gerne, dann kommt die Belohnung, das beginnt schon beim Reisen. Wichtig: Alles in Ruhe und eins nach dem andern.

Bald wird alles winterfest gemacht, d.h. der Wohnwagen ausgeräumt, Wasser-Leitungen entlüftet, Packsäcke in den Keller. Dann widme ich mich meinem Winter-Hobby Modelleisenbahn, dann fahren die ICE und langen Güterzüge auf meiner Anlage und in der Innenstadt ziehen die Strassenbahnen ihre Runden. Dann wird überlegt was Neues gebaut wird.

Und … im Frühjahr fängt’s wieder an ‚zu Kribbeln‘, wann und wo geht es im neuen Jahr hin.

Ach ja, die Motorlösung, wie gesagt: Genial.

 

10. Weiterentwicklung, Verbesserungen

Ich denke schon dass das Gesamtpaket weiterentwickelt wird, wie z.B. die Leistung des Motors und die Technologie der Akkus. Das werde ich beobachten.

Was ich auch versuchen möchte, einen besser geeigneten Bootswagen zu finden, um das schwerer gewordene Boot leichter ziehen zu können, vielleicht läuft mir mal wieder ein Motor über den Weg ….
National CPR Association